72,25-Millionen-Euro-Projekt „BBS Technik und Lebensmitteltechnikum“ von Landkreis, Land und Berufsbildende Schule feierlich gestartet
Landkreis Cloppenburg. Nach dem erfolgreichen Gießen der ersten großen Fundamentplatten gab es jetzt den offiziellen Startschuss für die Erweiterung der Berufsbildenden Schulen (BBS) Technik und den Neubau des Lebensmitteltechnikums (LMT). Als zukunftsträchtiges Symbol wurde eine Zeitkapsel in Beton eingelassen. Am Lankumer Ring in Cloppenburg wird mit einem veranschlagten Gesamtvolumen von bis zu 72,25 Millionen Euro die größte Investition in eine Schule in der Geschichte des Landkreises realisiert. Der Einladung von Landrat Johann Wimberg folgten neben rund 150 Ehrengästen auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sowie Staatssekretär Stefan Ertner aus dem Kultusministerium.
Schulleiter Dr. Andreas Berndt lüftete in seiner Ansprache das Geheimnis um den Inhalt der Zeitkapsel: „Die BBS Technik hat die Schülerinnen und Schüler in den letzten Monaten gebeten, Botschaften an die Generation zu schreiben, die unsere Zeitkapsel in vielleicht 60 oder 70 Jahren öffnen wird. Sie haben aufgeschrieben, was sie von der Zukunft erwarten oder was sie heute beschäftigt.“ Neben diesen Briefen und kleinen Kunstwerken der Jugendlichen wanderte auch typisches Werkzeug des heutigen Alltags in die Kapsel: ein Smartphone, ein Taschenrechner und ein Geodreieck. Ministerpräsident Olaf Lies steuerte spontan ein weiteres Symbol bei: einen aktuellen Werbekugelschreiber des Landes mit der Aufschrift „Niedersachsen. Das ist groß“.
Mit der Schulerweiterung und dem Technikum entsteht in Cloppenburg ein bundesweit einzigartiges Campus-Modell. „Wir können die duale Ausbildung in Deutschland zu Recht feiern, bringen sie hier aber in eine ganz andere Qualität“, unterstrich Landrat Johann Wimberg in seiner Ansprache. Er dankte der Kreispolitik für die geschlossene politische Kraftanstrengung: „Das macht uns aus: entschlossen voranzugehen und die Ärmel hochzukrempeln.“
Ministerpräsident Olaf Lies hob die enge Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Schule als Fundament des regionalen Erfolgs hervor: „Wenn wir Zukunft gestalten, brauchen junge Menschen eine duale Ausbildung. Dafür brauchen sie die Betriebe und die Schulen.“ An Schulleiter Dr. Berndt gerichtet, lobte Lies das unermüdliche Engagement vor Ort: „Dieses Durchhaltevermögen ist der richtige Weg. Wir bringen die Ausbildung hier nun gemeinsam auf die nächste Stufe.“ Über viele Jahre hatten der Landkreis, fördernde Unternehmen, die Berufsschule und das Land Niedersachsen an einem Strang gezogen, um dieses Projekt umsetzen zu können.
Mit dem Lebensmitteltechnikum entsteht eine hochinnovative Plattform für eine bedeutende Leitbranche des Oldenburger Landes.
„Beim Lebensmitteltechnikum gehen wir über das hinaus, was eine normale Schule leistet: Moderner Unterricht wird in einem innovativen Gebäude kombiniert mit Fortbildungen, Produktpräsentationen, einem KI-Labor und vielem mehr“, beschrieb Schulleiter Dr. Berndt das Vorhaben.
Ministerpräsident Lies betonte die überregionale Strahlkraft des zukünftigen „Schaufensters der Lebensmittelwirtschaft“: „Das ist ein Leuchtturm, der weit über die Möglichkeiten einer BBS hinausgeht. Am Ende werden die Berufe auch sichtbar – als gläserne Produktion.“ Es gelte, die Begeisterung bei jungen Menschen zu wecken, um sie für diese personalintensive, aber zukunftssichere Schlüsselbranche zu gewinnen. Im Lebensmitteltechnikum findet Lebensmittelproduktion im kleinen Maßstab an modernen Maschinen statt. Eine einzigartige Ausbildungsumgebung, bei der man den Schülerinnen und Schülern über die Schulter schauen kann.
Im Anschluss an den offiziellen Akt präsentierte Architektin Henrike Thiemann das Konzept des Großprojekts im Rahmen einer virtuellen 3D-Begehung. Zwei große, ringförmige Baukörper bilden künftig den neuen Campus. Die neuen Baukörper werden dabei nahtlos und intelligent an das bestehende Hauptgebäude angeschlossen.
Thiemann präsentierte einen modernen „Lernort zum Wohlfühlen“, der maximale Flexibilität bietet: Durch verschiebbare Wände können Räume sekundenschnell an wechselnde pädagogische Bedürfnisse angepasst werden. Intelligente, selbstöffnende Fenster sorgen in der Nacht für eine natürliche Raumauskühlung unter Ausnutzung der massiven Betonbauteile. Zudem wird das Projekt im höchsten Nachhaltigkeitsstandard realisiert. Wie Landrat Johann Wimberg erklärte, gibt es sogar eine Verbindung zur Bundeshauptstadt Berlin, obwohl Bildung ja Ländersache sei: „Ein Teil der wiederverwendeten Klinkersteine stammt aus Berlin-Wilmersdorf. Die Steine wurden bereits 1970 verwendet und erhalten nun eine neue Aufgabe. Im Vergleich zu neuen Klinkern lassen sich damit rund 95 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen.“
Dass sich diese konsequente ökologische Ausrichtung auch wirtschaftlich lohnt, belegen die hohen Förderzusagen: Allein die KfW unterstützt das Projekt mit rund 2,05 Millionen Euro. Hinzu kommen Bundes- und Landesmittel aus dem Pakt für Kommunalinvestitionen in Höhe von rund 6,54 Millionen Euro.
Maßgeblichen Anteil am Gelingen hat zudem die regionale Wirtschaft, die das Lebensmitteltechnikum mit Direktbeiträgen von insgesamt 1,235 Millionen Euro unterstützt. „Diese Beteiligung verdient höchste Anerkennung“, schloss Landrat Wimberg. „Die Unternehmen investieren direkt in die Innovationskraft ihrer eigenen Branche.“ Die Fertigstellung der neuen Gebäude wird im Mai 2029 erwartet.

