Landkreis Cloppenburg begrüßt neue Bürgerinnen und Bürger Einbürgerungsfeier im Kreishaus

03.06.2026
Bei einer feierlichen Zeremonie wurde allen zur Einbürgerung gratuliert.
Bei einer feierlichen Zeremonie wurde allen zur Einbürgerung gratuliert.

Landkreis Cloppenburg. Der Große Sitzungssaal des Kreishauses war Schauplatz eines besonderen Ereignisses, das nur einmal im Jahr begangen wird: Landrat Johann Wimberg konnte zur Einbürgerungsfeier neue deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit Ihren Angehörigen begrüßen und willkommen heißen. Die Stimmung war herzlich, die Freude der Menschen spürbar. Der Abend glich einem großen Familienfest. Grundsätzlich erhalten Personen, deren Antrag auf Staatsbürgerschaft erfolgreich ist, ihre Unterlagen unverzüglich. Doch einmal im Jahr lädt der Landrat alle zu einer offiziellen Feierstunde ein.

Allein bis Mai 2026 haben im Landkreis Cloppenburg 309 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. 208 weitere Anträge wurden in diesem Jahr bereits gestellt Landrat Johann Wimberg begrüßte die Neubürgerinnen und Neubürger sowie deren Familien und Gäste zu Beginn der Veranstaltung mit klaren Worten und aufrichtigem Respekt: „Auf dem Papier ist es nur ein behördlicher Vorgang – aber das ist eine standesamtliche Eheschließung auch.“ Beides dürfe angemessen gefeiert werden, so der Landrat weiter. Wimberg unterstrich, dass für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft einiges geleistet werden müsse. Dafür sei notwendig, Bürokratie zu bewältigen, die deutsche Sprache zu erlernen und Prüfungen zu absolvieren. Anforderungen, die kein Einheimischer jemals erfüllen musste. Die Staatsbürgerschaft sei mehr als ein Dokument: Sie bedeute das Recht auf eine Stimme bei Wahlen, die Sicherheit des Sozialsystems, Freizügigkeit in Europa – und die Verantwortung, an dieser Gesellschaft aktiv mitzugestalten und zu ihrem Wohlstand beizutragen.

„Ich wünsche mir, dass Sie hier ankommen, nicht nur mit dem Pass, sondern mit dem Herzen. Und ich hoffe, dass auch wir als Gemeinschaft dafür sorgen, dass Sie sich willkommen fühlen – jeden Tag, nicht nur heute“, so der Landrat abschließend.

Als Festredner konnte der Landrat den Pfarrer und Privatdozenten Dr. Marc Röbel begrüßen. Der Direktor der Katholischen Akademie in Stapelfeld stellte die Frage: „Was ist eigentlich typisch deutsch?“ Dabei brachte er verschiedene Beispiele und umfassende Ausführungen zum Begriff „Moin“ an, das im Oldenburger Münsterland zu jeder Tageszeit passt. Wer drei weitere Sätze kenne, sei für den deutschen Alltag gut gerüstet: „Da nich für!“ – das norddeutsche „Gern geschehen“. „Das läuft!“ – Ausdruck bester Ordnung. Und schließlich, als wichtigste gesellschaftliche Einladung: „Noch eins?“ – die herzliche Aufforderung, noch ein bisschen länger zusammenzusitzen und ins Gespräch zu kommen. Alle drei Sätze waren beim anschließenden Austausch öfter zu hören.

Röbel spannte einen Bogen zu einer grundsätzlicheren Botschaft: Nationalismus, erklärte er, sei nicht typisch deutsch – es sei „dumm“. Am Beispiel des berühmten Cloppenburger Kreuzkampfes von 1936, als über 10.000 Menschen vor der Münsterlandhalle gegen die Entfernung von Schulkreuzen durch die Nationalsozialisten protestierten und das Regime zum Einlenken zwangen, erinnerte Röbel daran, was die Menschen in dieser Region damals wirklich verteidigt hatten: nicht nur das Kreuz, sondern die Menschlichkeit, die Gewissensfreiheit und den Widerstand gegen die Ausgrenzung aller Fremden. Aus diesem Geist sei das moderne Deutschland aufgebaut worden – mit dem ersten Satz des Grundgesetzes als Fundament: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
„Wenn Sie mich fragen, was typisch deutsch ist“, so Röbel, „dann würde ich antworten: Dass wir aus unserer Geschichte gelernt haben.“ Und an die Neubürgerinnen und Neubürger gewandt: „Ab heute sind Sie nicht mehr nur Gäste an unserem Tisch – Sie gehören zur Familie.“

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier richtete sich per Videobotschaft an die Neubürgerinnen und Neubürger: „Können, Wissen und Ideen sollten eingebracht werden. Das Band unseres Miteinanders wird stärker, wo unterschiedliche Menschen ins Gespräch kommen. Sie willkommen zu heißen ist ein Anlass zur Freude für unser ganzes Land.“

Im Anschluss an das Programm gratulierte Landrat Wimberg den Neubürgerinnen und Neubürgern persönlich. Drei Personen hatten sich bewusst dafür entschieden, ihre Einbürgerungsurkunde erst im Rahmen dieser Feier entgegenzunehmen – ein besonderer Moment, der mit Handschlag, Glückwünschen und kleinen Geschenken gewürdigt wurde. Die Freude der Neubürgerinnen und Neubürger war unübersehbar; viele zeigten sich sichtlich bewegt und dankbar.

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Blechbläserensemble der Kreismusikschule Cloppenburg unter der Leitung von Jan-Erik Bredehorst. Das Ensemble sorgte für einen würdigen und festlichen Rahmen. Zum Abschluss der offiziellen Feier wurde gemeinsam die Nationalhymne gesungen – bevor alle Gäste beim anschließenden Imbiss in lockerer Atmosphäre zusammenkamen, Gespräche suchten und den besonderen Abend ausklingen ließen. Und oft hieß es: „Noch eins?“