Viel mehr als Sexualkunde-Unterricht:
Landkreis Cloppenburg. Rund 20 Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte aus sieben Schulen haben an einer Fortbildung zu „LIEBESLEBEN – Das Mitmach-Projekt“ teilgenommen. Veranstalter waren das Gesundheitsamt Cloppenburg und das Regionale Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück.
Für den Landkreis Cloppenburg ist die Beteiligung besonders wertvoll: Der Koffer steht den Schulen kostenfrei und dauerhaft für Unterricht, Projekttage und fächerübergreifende Angebote zur Verfügung. Mit den Materialien stärkt der Landkreis die schulische Gesundheitsförderung und schafft zusätzliche Möglichkeiten für Prävention und sexuelle Bildung vor Ort. „Wir sind schon seit 2017 mit unseren Partnern dabei, dass wir anhand eines Parcours diese Themen an die Schulen im Landkreis bringen“, erklärt Annika Chmiel vom Kreisgesundheitsamt.
„LIEBESLEBEN“ unterstützt Schulen dabei, sexuelle Gesundheit als festen Bestandteil schulischer Bildung zu verankern. Jugendliche lernen, eigene Grenzen wahrzunehmen, Bedürfnisse zu kommunizieren, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und bei Bedarf Hilfe zu suchen.
Die sechs interaktiven Module behandeln Körper und Gefühle, Freundschaft und Beziehungen, Schutz und Safer Sex, HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen, Vielfalt und Respekt sowie Sexualität und Medien. Dabei geht es auch um Körperbilder, digitale Medien, Arten von sexueller Ausrichtung, Cybermobbing und Grenzüberschreitungen.
Ausgearbeitete Methoden, Hintergrundinformationen und Kopiervorlagen ermöglichen eine eigenständige und nachhaltige Umsetzung. Die Schulen benennen Ansprechpersonen, entwickeln Konzepte zur sexuellen Bildung und können ihre Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und Präventionsfachkräften ausbauen. „Die Teilnehmer der Fortbildung sollen eine Haltung entwickeln du ihre Rolle und Bedeutung reflektieren können, die sie im Schulsystem spielen. Nur in der Schule erreicht man mit Themen frühzeitig und präventiv alle Gesellschaftsschichten“, betont Swantje Walf vom RLSB Osnabrück. „Sexuelle Bildung betrifft alle, man kann sich da nicht raushalten. Das Thema wird aber nicht in allen Elternhäusern gleichermaßen behandelt und oft enthalten die Quellen der Schülerinnen und Schüler Unwahrheiten.“
Die Fortbildung wurde von Julia Niemann und Annika Chmiel vom Gesundheitsamt Cloppenburg sowie Swantje Walf und Ariane Berkemeyer vom RLSB Osnabrück durchgeführt. Auch der Regionalkoordinator für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, Finn Ammerich, nahm teil.
„LIEBESLEBEN – Das Mitmach-Projekt“ wird vom Niedersächsischen Kultusministerium, dem Niedersächsischen Sozialministerium und dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit umgesetzt. Das Kreisgesundheitsamt ist eines von nur drei beteiligten Gesundheitsämtern in Niedersachsen und das einzige im Zuständigkeitsbereich des RLSB Osnabrück, zu dem auch der Landkreis Cloppenburg gehört. Dadurch konnten drei Schulen aus der Region an der Fortbildung teilnehmen und einen landesweit nur begrenzt verfügbaren Materialkoffer erhalten.

